Samstag, 17. November 2007

Juristen im Ausland


Australien: Wahlstation bei der Australian-German Lawyers Association in Sydney (06/2006 - 10/2006)

Nach der vielen Theorie in der juristischen Ausbildung war ich überglücklich, als ich die Zusage für meine Wahlstation in Sydney bei der Australian-German Lawyers Association (AGLA) in Händen hielt. Die Perspektive, am Ende der Ausbildung einen umfassenden praktischen Einblick in ein fremdes Rechtssystem gewinnen zu können, machte die Anspannung vor dem Examen erträglich. Jetzt hieß es nur noch, elf Klausuren zu schreiben und dann ab in den Flieger.

Die AGLA als Ausbildungsstelle

Als Schwesterorganisation zur Deutsch-Australischen Juristenvereinigung e. V. (DAUSJV) hat sich die AGLA zum Ziel gesetzt, die Kenntnis und das Verständnis des deutschen Rechts in Australien und in gleicher Weise des australischen Rechts in Deutschland zu fördern. Insbesondere durch Vorträge, Seminare und andere juristische Veranstaltungen sowie durch Unterstützung bei der Veröffentlichung juristischer Arbeiten zum deutschen und/oder australischen Recht soll dies verwirklicht werden. Darüber hinaus unterstützt die AGLA einen intensiven Erfahrungs- und Meinungsaustausch, der auch durch den Studenten- und Referendaraustausch zwischen Australien und Deutschland gefördert wird. Dagegen wird die Informationsbeschaffung für alle an der juristischen Ausbildung und Tätigkeit interessierten Juristen nicht unterstützt.
Die AGLA hat ihren Sitz im Herzen Sydneys im City Business District, im Gebäude der Law School der University of Sydney, und wird von Professor Dr. K. Alex Ziegert geleitet, der seit mehreren Jahren Associate Professor an der University of Sydney ist und sich um die AGLA und vor allem um die dort tätigen Referendare kümmert.

Die Tätigkeit bei der AGLA

Die Tätigkeiten im Rahmen meiner Wahlstation bei der AGLA waren sehr unterschiedlicher Natur und ließen mich die Anstrengungen des schriftlichen Teils zum zweiten Staatsexamen rasch vergessen. Einerseits war ich als Referendar für den reibungslosen Ablauf innerhalb der AGLA zuständig. Dazu gehörte insbesondere, die deutsch- und englischsprachige Post sowie E-Mails zu beantworten und die Anfragen von Mitgliedern der AGLA und der DAUSJV sowie von Nichtmitgliedern, Studenten und Referendaren zu bearbeiten. Das gab mir Gelegenheit, das Verfassen von englischsprachigen Schriftsätzen zu üben und zu verbessern.

Auf der anderen Seite stand die juristische Tätigkeit, die in meinem Fall hauptsächlich das Arbeits- und Sozialrecht betraf. Sie umfasste nicht nur die Rechtsanwendung in der rechtsberatenden Berufspraxis, sondern auch den universitären wissenschaftlichen Wirkungsbereich des Rechts. Deshalb übernahm ich für Professor Ziegert wissenschaftliche Assistenztätigkeiten zur Ausarbeitung arbeitsrechtlicher rechtsvergleichender Abhandlungen. Dafür konnte ich die Forschungsmöglichkeiten der University of Sydney umfassend nutzen. Ganz freiwillig fand ich mich sogar in der Bibliothek der University of Sydney wieder.

Zugleich war ich damit beauftragt, zahlreiche Gerichtstermine beim District Court wahrzunehmen und lernte die Arbeitsweise eines arbeitsrechtlichen Schiedsgerichts, der Industrial Relations Commission of New South Wales vor Ort bei einem der Richter und bei weiteren Gerichtsbesuchen kennen.

Professor Ziegert stellte auch den Kontakt zu einem australischen Rechtsanwalt her. Da dessen Tätigkeitsschwerpunkt mit dem von mir gewählten Berufsfeld im Arbeits- und Sozialrecht übereinstimmte, erhielt ich zusätzlich Einblick in die Arbeitsweise einer australischen Rechtsanwaltskanzlei und konnte die Arbeitsabläufe mit denen in Deutschland vergleichen. Außerdem erwarb ich Kenntnisse des australischen Arbeitsrechts, das sich zurzeit durch Reformvorhaben erheblich verändert. Allerdings gestaltete sich das Erfassen des Rechtsgebiets auf Grund des Common Law und des Case Law als recht unübersichtlich, aber nicht weniger interessant. Ferner konnte ich an Seminaren der Australian Labour Law Association teilnehmen und mit renommierten australischen Arbeitsrechtlern ins Gespräch kommen.

Das Leben in Sydney

Sydney gehört zu den schönsten Städten der Welt. Der einmalige Naturhafen, die vielen Stadtstrände, die herausragende und weltberühmte Architektur und das interessante Zusammenspiel von hektischem Businessleben und der grundsätzlich gelassenen Lebensweise der sehr freundlichen Menschen sind hierfür sicherlich mit ausschlaggebend.

In Sydney selbst leben fast 5 Millionen Menschen auf einer Gesamtfläche von mehr als 1.550 km2. Es herrscht das ganze Jahr über ein warmes, gemäßigtes Klima, wobei die durchschnittlichen Temperaturen selbst im australischen Winter meist nicht unter 10–15°C fallen und im Sommer gern auf 30–35°C ansteigen. So kann es zur Winterzeit (in Australien im Juli) nachts kalt werden, da Zentralheizungen kein Standard sind.

Die Lebenshaltungskosten in Sydney sind mit denen größerer deutscher Städte, wie etwa München, gut vergleichbar. Lediglich die Kosten für eine Unterkunft können erheblich höher sein, wenn Wert auf eine besondere Lage – am Strand oder mit Blick auf Oper oder Harbour Bridge – gelegt wird. Allerdings sind Nahrungsmittel um einiges günstiger. Hier kann man von dem vielfältigen, qualitativ hochwertigen und zugleich recht günstigen Angebot internationaler Köstlichkeiten in den „food courts“ profitieren, wo man sich regelmäßig während der Mittagspause trifft.

Sydney bietet zahllose Sehenswürdigkeiten, Freizeit- und Ausgehmöglichkeiten. Das Leben spielt sich vorwiegend im Freien ab. Populäre Sportarten sind Rugby, Kricket und Football und der Wassersport. Am Wochenende sind an den vielen Stadtstränden zahlreiche Surfer und im Hafen von Sydney jede Menge Segelboote zu sehen. Am Abend ist in der Regel in einem der historischen Pubs für ein kühles Bier oder in einer der eleganten Bars für einen Cocktail gesorgt.

Fazit

Die Entscheidung für die Wahlstation in Sydney bei der AGLA war eindeutig richtig. Auch wenn im Vorfeld großer Verwaltungsaufwand wartet, so wurde ich nach meiner Ankunft in Down Under sehr schnell durch die vielen neuen Eindrücke, durch die ehrliche Lebensfreude der Australier und durch die angenehme Arbeitsatmosphäre bei der AGLA vom Lebensgefühl angesteckt.

Rechtsanwalt Daniel Welker, München

Dieser Erfahrungsbericht ist veröffentlicht im JuS-Magazin 5/2007, S. 21.

1 Kommentare:

Anwalt hat gesagt…

Das ist ein großer, um Informationen über die Anwälte abroad.In meiner Sicht view.If Sie die Anwendung aus dem Ausland (sie haben sich erfolgreich rekrutiert aus Australien, Südafrika, Kanada und Neuseeland aus kommerziellen